Der Königsberg

Geologie

Die höchste Erhebung in der Südoststeiermark bildet das weithin sichtbare Königsberg-Vulkanmassiv. Markant erhebt sich dieser Höhenrücken mit rund 3000 m Längserstreckung aus einer sanftwelligen Landschaft. Die Gesteine des Vulkanmassivs – Basalte, Schlackenbasalte und vulkanische Tuffe – entstanden vor ca. 2 Mill. Jahren, als Vulkanausbrüche die Region erschütterten.

Magma bahnte sich einen Weg durch die Erdkruste und kam nahe der Erdoberfläche mit Grundwasser in Kontakt. Dabei kam es zu gewaltigen Wasserdampfexplosionen, bei denen die Gesteine des Untergrundes gemeinsam mit zerrissenen Lavastücken in die Luft geschleudert wurden. In der Landoberfläche bildeten sich riesige Trichter.

Das heute verfestigte und als Tuff bezeichnete Steingemisch finden wir an der Basis des Vulkanmassivs. Nachfolgend stieg Magma hoch und füllte die Hohlräume. Der hohe Gasgehalt im Magma, das bis an die Erdoberfläche kam, führte zur Bildung von sehr blasenreichen Gesteinen, die man als Schlackenbasalte bezeichnet. Wenn Magma knapp unter der Erdoberfläche abkühlte oder Magma mit geringem Gasgehalt auf der Erdoberfläche ausfloss, bildete sich Basalt. Er ist schwarz, dicht und extrem hart.

Seither formt vor allem Erosion die Landschaft. Die Abtragung und der Abtransport der weichen und kaum verfestigten Gesteine der Region führten zu einer Freilegung der harten Vulkangesteine, die heute als weithin sichtbare Erhebungen von einer dynamischen Entstehungsgeschichte erzählen.

16 Millionen Jahre Steirisches Vulkanland

Das Steirische Becken liegt am Ostrand des Alpenbogens und bildet eine Randbucht des Pannonischen Beckens. Die westliche und nördliche Beckenumrahmung (Koralpe, Grazer Bergland, Fischbacher Alpen, Wechsel) besteht vorwiegend aus Kristallingesteinen und paläozoischen Karbonatgesteinen.

Die Beckenbildung und die damit in Zusammenhang stehende gleichzeitige Verfüllung begannen vor ca. 18 Millionen Jahren. Bis zu 4000 m mächtige Ablagerungen von Kalksteinen, Kiesen, Sanden und Tonen mit einzelnen Kohlelagen dokumentieren eine Veränderung der Landschaft in – geologisch gesehen – kurzen Zeiträumen. Ein Charakteristikum des Steirischen Beckens stellt die ehemalige starke vulkanische Aktivität dar. Dieser Vulkanismus, der Teil eines Vulkanbogens ist, der von Slowenien bis in den Karpatenbogen reicht, wird zwei zeitlich, chemisch und genetisch verschiedenen Perioden zugeordnet und auf Dehnungstektonik im Untergrund zurückgeführt. Im Steirischen Vulkanland sind Gesteinsablagerungen der letzten 16 Millionen Jahre zugänglich.

Ein Meer überflutet das Steirische Becken

Vor ca. 18 Mio. Jahren ist die Absenkung des Steirischen Beckens bereits eingeleitet. Limnisch fluviatile Ablagerungen bedecken weite Teile der Weststeiermark, an die auch die bedeutenden Kohlevorkommen dieser Region (z.B. Eibiswald, Köflach – Voitsberg) gebunden sind. Aus dem Südosten dringt das Meer in einzelne Teilbecken (Gnaser- und Fürstenfelder Becken) vor. Der in diesem Zeitabschnitt aufflammende Vulkanismus ist an N-S orientierte Störungssysteme gebunden und sorgt für eine Akzentuierung des Reliefs. Ein riesiges Vulkanmassiv mit ca. 30 km Basisdurchmesser und dem Zentrum um Bad Gleichenberg ragt teilweise aus dem Meer. Ausgeworfene feine Aschepartikel werden in hohen Luftschichten weit vertragen und kommen so auch in den inneralpinen Talungen (Mur- und Mürztal) und im Randbereich des Steirischen Beckens zur Ablagerung. Vergleichen könnte man unseren „Gleichenberger Vulkan“ mit dem heute aktivsten und größten Vulkan Europas, dem Ätna. Vor rund 16 Millionen Jahren erreicht das Meer seine maximale Ausdehnung und die Spitzen der aktiven Vulkane ragen als Inselvulkane aus dem Meer. Deren Flanken werden aber bereits von Meeresablagerungen zugeschüttet. Sowohl im Bereich der Mittelsteirischen und Südburgenländischen Schwelle als auch um die Inselvulkane kommt es zur Bildung von Saumriffen mit einer enormen Vielfalt an Organismen.

Vor 11,5 Millionen Jahren drang der Pannonische See weit ins Steirische Becken ein und es entstanden ausgedehnte Sumpfwälder. Nach Ünerflutung des Sumpfwaldes entstanden Wandermuschel Konolien welche sich an den unter Wasser befindenden Baumtrünken anhefteten.

Zahlreiche Fischbestände entstanden wie zB. Wolfsbarsche, Karpfen und Brassen aber auch Amphibien wie der Riesensalamander welcher heute nur noch in Südostasien anzutreffen ist.

Schlammsedimente begruben die Fauna und Flora sukzessiv und versteinerten die Baumreste aber auch Tiere wie Sumpfschilkröten, Biber, Fische und Muschelkrebse sowie Blätter von Bäumen und farnen. Diese Funde sind heute im Naturkundemuseum Graz sowie im Geo -Info Ausstellungsraum in Kapfenstein ausgestellt.

Das Steirische Becken verlandet

Ablagerungen aus der Region um Straden und St. Anna am Aigen mit einem Alter von ca. 13 Mio. Jahren belegen küstennahe Entwicklungen in einem seichten Meer. Die Kalksandsteine bestehen aus kleinen Kalkkügelchen, die eine Vielzahl an Muscheln und Schnecken beinhalten. Regional kommt es zur Ausbildung von Sumpflandschaften mit üppiger Vegetation. Zyklische Wechsel von See-, Fluss- und Deltaablagerungen werden mit klimatischen, astronomisch gesteuerten Schwankungen in Verbindung gebracht. Diese Ablagerungen bilden den Großteil der im Steirischen Vulkanland zugänglichen Gesteine.

Sie bestehen aus einer tonig sandigen Wechselfolge, in die Schotter mit weiter horizontaler Verbreitung eingelagert sind. Aus der NW-Umrahmung des Steirischen Beckens werden durch ein breit mäandrierendes Flusssystem Sedimente nach Südosten transportiert. In den versumpften Au- und Schwemmlandbereichen mit Waldbewuchs lebt eine reiche Wirbeltierfauna (z.B. Urelefanten).

Es wird noch einmal „feurig“ und eiskalt

Einige Millionen Jahre sind heute im steirischen Raum geologisch nicht mehr dokumentiert – wir sprechen von einer Schichtlücke. Wahrscheinlich setzt vor ca. 5 Mio. Jahren eine bis heute andauernde Hebungsphase ein und im Steirischen Becken beginnt die Abtragung der zuvor abgelagerten Gesteinsmassen. Erst im zeitlichen Grenzbereich vom Pliozän zum Pleistozän, als gewaltige Vulkanausbrüche stattfinden, wird wieder „Erdgeschichte geschrieben“ – es werden also wieder Gesteine abgelagert, die uns bis heute erhalten sind. Explosive Vulkanausbrüche mit enormer Sprengkraft bilden trichterförmige Krater in der Landoberfläche und schleudern riesige Massen von vulkanischer Asche in die Luft. Lokal kommt es auch zum Austreten von Magma, das als Lavastrom (Stradnerkogel) ausfließt und/oder bei gasreichen Explosionen als Schlackenfetzen durch die Luft fliegt (z.B. Königsberg-Klöcher Vulkanmassiv, Steinberg bei Feldbach). Das Steirische Vulkanland durchlebt eine dynamische Zeit und wird gänzlich umgestaltet. Es entstehen an mehreren Stellen Maar-Diatrem-Vulkane (z.B. Riegersburg, Fehring, Kapfenstein, Gnas). Diese Vulkane bilden keine typischen Kegelformen an der Landoberfläche, sondern sind in die Erdoberfläche trichterförmig eingesenkt und haben eine explosive Bildungsgeschichte. Beim Kontakt von heißem Magma mit Grundwasser kommt es zu gewaltigen Explosionen und ein Gemisch aus Magma- und Nebengesteinsfragmenten sowie Dampf wird explosiv ausgeworfen.

Durch Erosion der lockeren umgebenden Sedimente (Sand, Kies, Ton) werden die ehemals in die Landoberfläche eingesenkten Vulkanschlote fortlaufend freigelegt. Die verfestigten vulkanischen Auswurfprodukte, bezeichnet als vulkanischer Tuff, sind härter als die umgebenden Lockersedimente und daher auch verwitterungsbeständiger. Dies erklärt, warum die vulkanisch gebildeten Gesteine markante Erhebungen im Steirischen Vulkanland bilden. Die Kraft der Erosion kann man speziell nach starken Regenfällen beobachten. Neben der Abtragung des Bodens sind es auch Rutschungen die zu Veränderungen führen und das Landschaftsbild prägen.

Jungsteinzeit

Die Grabungen im höchsten Bereich der Siedlung haben ergeben, dass sich schon viel früher Menschen auf dem Königsberg niedergelassen haben, als bisher angenommen wurde. Auch die Wallanlage dürfte älter sein, als bisher angenommen. Neue außergewöhnliche Fundstücke stammen aus der letzten Phase der Jungsteinzeit und zeigen weitreichende Kontakte.

Die ersten Spuren menschlicher Aktivitäten auf dem Königsberg sind aus der Kupferzeit und mehr als 5000 Jahre alt. In diesem letzten Abschnitt der Jungsteinzeit lebten die Menschen bereits in großen Siedlungen, sie betrieben Ackerbau und Viehzucht, aber auch schon spezialisiertes Handwerk. Die Zeit ist geprägt von der Nachfrage nach kostbarem Kupfer, das als Rohstoff über weite Distanzen verhandelt wird und in lokalen Werkstätten zu den ersten metallenen Gegenständen gegossen wird.

Eine bedeutende Rolle neben dem Metallhandwerk kommt der Erfindung des Rades zu, das ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. vom Schwarzen Meer bis nach Dänemark zu finden ist. Zu den ältesten Nachweisen für den Gebrauch als Transportmittel zählen Miniaturräder aus Keramik, die von kleinen vierrädrigen Wagenmodellen stammen. Ein solches Rad wurde auch bei der Grabung auf dem Königsberg 2022 gefunden. Das etwa 10 cm große Scheibenrad mit Nabenbuchse ist aus Keramik gefertigt und fast vollständig erhalten. Ob es sich bei den Wagenmodellen um kultische oder profane Objekte handelt, ist unklar. Eine Zuweisung als Spielzeug oder Kultobjekt ist auch bei den in dieser Zeit verbreiteten sogenannten Idolen, kleinen Menschen- oder Tierfiguren, nur schwer möglich. Auf dem Königsberg wurden 2022 ebenfalls die Fragmente einer Widder- und einer Frauenfigur gefunden. Von dem weiblichen Idol ist lediglich der mit Ritzlinien verzierte Torso erhalten, eine grobe Datierung der Figur in die Jungsteinzeit ist aber dennoch möglich.

Internationale Einflüsse am Königsberg

Die bemerkenswerten Fundstücke vom Königsberg zeigen die internationalen Verbindungen der Bewohner und sind in der Tradition von unterschiedlichen Kulturgruppen aus ganz Mitteleuropa gefertigt. Zu den kupferzeitlichen Funden vom Königsberg zählen die verzierten Fragmente von Keramikgefäßen aus der sogenannten Balaton-Lasinja Kultur, die zwischen 3700-3200 v. Chr. in Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Slowenien, Ungarn und Österreich (Steiermark und Kärnten) zu finden ist. In dieser Zeit wurden Keramikgefäße wie Henkelkrüge, Schüsseln und Töpfe mit vielfältigen linearen Motiven verziert, die regelmäßig in den Ton eingestochen oder eingekerbt wurden. Die weitreichenden Verbindungen am Ende der Jungsteinzeit sind auch in den Funden der Chamer-Kultur zu sehen. Sie datieren in jene Phase, in der die Menschen in Mitteleuropa das Metallhandwerk erlernten (3200 ‒ 2700 v.Chr.). Das Hauptverbreitungsgebiet liegt nördlich der Alpen, mit einer Konzentration in Bayern. Bisher wurden in der Steiermark nur in der Siedlung am Wartenstein (Voitsberg) Funde der Chamer-Kultur gefunden. Die charakteristischen Gefäße haben waagrechte, parallel umlaufende Leistenverzierungen mit unterschiedlichen Einstichmustern. Gerne hat man auch das Rohmaterial für die Keramik, den Ton, mit kleinen Quarzsteinchen versetzt. Derartige Gefäße wurde nun auch am Königsberg gefunden. Die neuen Funde aus Tieschen zeigen damit den südöstlichsten Verbreitungspunkt dieser Kultur.

Neben den verzierten Keramikstücken wurden in Tieschen auch zahlreiche Steinwerkzeuge wie Äxte, Dechseln und Beile, aber auch feine Klingen aus Feuerstein gefunden. Der ebenfalls am Königsberg gefundene halbrunde Gusslöffel mit Grifftülle kann als Nachweis für eine lokale Kupferproduktion gesehen werden.

Bronzezeit

Die größte und am weitesten verbreitete Kulturgruppe der Späten Bronzezeit ist die sogenannte Urnenfelderkultur. Die umfasst einen Zeitraum von etwa 1300 bis 800 v. Chr. und erstreckt sich über ganz Mitteleuropa. Namensgebend ist die bevorzugte Bestattungsweise der Epoche, welche sich durch die Verbrennung der Verstorbenen und die Bestattung der Überreste in Urnen auszeichnet. Die Zeitspanne von 500 Jahren wird in der Forschung in sechs Stufen untergliedert, die jeweils charakteristische Formen und Verzierungen von Bronzegegenständen und Keramikgefäßen aufweisen.

Bestattungsart

Mit dem Beginn der Urnenfelderkultur treten neue Bestattungs- und Beigabeformen auf. Wie schon der Name andeutet, werden die Verstorbenen nun nicht mehr in Körpergräbern mit großen Grabhügeln niedergelegt, sondern verbrannt. Ihre Asche wird entweder in einer Urne aus Keramik gemeinsam mit den (nicht) verbrannten Beigaben in Grabgruben bestattet oder in sogenannten Brandschüttungsgräbern verstreut. Die urnenfelderzeitlichen Gräberfelder umfassen oft mehrere hundert Bestattungen, teilweise mit steinernen Grabkammern, die als Flachgräber mit umlaufenden Fundamentgräbchen oder mit kleinen aufgeschütteten Grabhügeln gestaltet sind. Die Beigaben umfassen verzierte Keramikgefäße, Schmuckstücke, Waffen und Werkzeuge aus Bronze, die uns Aufschluss über das Geschlecht und den sozialen Status des Verstorbenen geben können.

Siedlungswesen

Neben kleinen Siedlungen im Tal lassen sich die Menschen in der Urnenfelderzeit bevorzugt in großen Höhensiedlungen nieder. Mit einer Größe von bis zu 30 Hektar können diese Siedlungen als stadtähnliche Zentren ihrer Region angesehen werden, die teilweise dicht besiedelt waren. Man wählt bevorzugt Höhenrücken in strategisch günstigen Positionen aus, die durch ihre steilen Hänge bereits natürlichen Schutz vor Angreifern bieten. Um die Siedlungen besser verteidigen zu können werden meterhohe Erdwälle mit Holz-Stein-Konstruktionen im Inneren und vorgelagerten Gräben errichtet. Derartige Höhensiedlungen finden sich in der Urnenfelderzeit in der ganzen Steiermark. Im Vulkanland konnten neben der Siedlung auf dem Königsberg bei Tieschen, auch in Riegersburg, Straden und auf dem Kapfensteiner Kogel Überreste von Höhensiedlungen gefunden werden.

Die archäologischen Ausgrabungen in spätbronzezeitlichen Siedlungen geben Aufschluss über die Bauweise der damaligen Häuser. In der Höhenlage wurden die Gebäude bevorzugt als Blockbauten mit einem Steinfundament oder als Ständerbau mit Flechtwerkwänden und Lehmverputz gebaut. In den Siedlungen finden sich unterschiedlich gestaltete Gebäude, sie umfassen kleine Hütten, die als Werkstätten oder Speicher dienten, aber auch große Gemeinschaftsgebäude mit über 10 m Länge. Darin finden die Archäologen Spuren von Feuerstellen, Backöfen, Abfallgruben, unterschiedliche Werkzeuge der Textilherstellung und des Bronzehandwerks sowie zahlreiche Bruchstücke von Keramikgefäßen.

Die befestigte Höhensiedlung auf dem Königsberg

Die denkmalgeschützte Fundstelle auf dem Königsberg ist eine der größten und bedeutendsten befestigten Höhensiedlungen der Südoststeiermark. Die Siedlung datiert in die Späte Bronzezeit, in einen Zeitraum von etwa 1300 – 800 v. Chr., und erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 10 Hektar. Der Königsberg bot mit seinen steilen Hängen und dem relativ flachen Gipfel die idealen Voraussetzungen für die Erbauung einer Höhensiedlung. Um diese besser verteidigen zu können, wurde um den gesamten Siedlungsbereich ein meterhoher Erdwall mit Holz-Stein-Konstruktionen im Inneren und einem vorgelagerten Graben errichtet. Die eindrucksvolle Befestigung ist abschnittsweise auch heute noch sehr gut im Gelände erkennbar. Die Erdaufschüttung könnte abschnittsweise mit einer vorgeblendeten Bohlenwand oder einer Trockensteinmauer stabilisiert worden sein, jedoch sind heute keine Überreste davon sichtbar. Der Zugang zur Siedlung ist im Bereich des heute als „Stadttörl“ bekannten Durchlasses im Südosten der Wallanlage anzunehmen, der noch heute als Zufahrtsstraße genutzt wird. Das höchste Plateau des Königsbergs im Nordosten wurde zusätzlich von einem zweiten Wall gesichert. Die etwa 1 Hektar große Innenfläche, das sogenannte Kernwerk, stellt vermutlich das Zentrum der Höhensiedlung dar. Die Siedlung lässt sich auf der gesamten durch die Befestigung geschützten Fläche nachweisen und reicht bis nahe an die Wallaufschüttung. Auch außerhalb der befestigten Innenfläche konnten Siedlungsspuren und Streufunde auf Terrassen und Hängen festgestellt werden. Die Wasserversorgung dürfte durch Quellen an der tiefsten Stelle des Kraters gewährleistet gewesen sein. Aus welchen Gründen die Siedlung zu Beginn der Eisenzeit verlassen wurde, kann erst durch intensivere Forschung beantwortet werden. Während der Ausgrabungen wurden immer wieder Spuren von niedergebrannten Gebäuden gefunden, die möglicherweise im Zusammenhang mit dem Ende der Höhensiedlung stehen.

Die bisher bei den Ausgrabungen freigelegten Hausgrundrisse sind relativ kleine Bauten mit Längen von 2 bis 5 Metern, die vermutlich als Werkstätten oder Speicher genutzt wurden. Die Gebäude wurden überwiegend in Ständerbautechnik mit Flechtwerkwänden und Lehmverputz gebaut und zeigen teilweise Steinpflasterungen. Im Inneren der Häuser konnten Archäologen nicht nur zahlreiche Bruchstücke von aufwändig verzierten Keramikgefäßen auffinden, sondern auch Feuerstellen und Backöfen. Bei den Grabungen im Kernwerk wurden zahlreiche Überreste der Textilherstellung in Form von unterschiedlich großen Spinnwirteln, Tonspulen und Webstuhlgewichte gefunden. Für das Fundmaterial der urnenfelderzeitlichen Siedlung charakteristisch ist der Feuerbock, ein Fundstück, das zum Wahrzeichen der Gemeinde Tieschen wurde und heute auch deren Wappen ziert.

Eisenzeit

Vom Königsberg stammt nur eine relativ geringe Anzahl an Funden aus der späten Eisenzeit, wodurch eine Besiedlung durch keltische Gruppen vorerst ausgeschlossen werden kann. Diese Funde stammen zwar überwiegend von älteren Grabungen und Begehungen auf dem Königsberg, aufgrund fehlender Aufzeichnungen können diese jedoch nicht mehr verortet werden. Das Material umfasst ein Messer und ein Beil aus Eisen, eine Bronzefibel und sporadische Funde von Keramik, die wenig aussagekräftig sind. Zwei keltische Münzen aus Gold und Silber, die um den Königsberg gefunden wurden, sind heute leider verschollen.

Römische Kaiserzeit

Ein weiterer beeindruckender Nachweis einer dichten Besiedlung des Gebiets um den Königsberg ist im Größinger Tanner zu finden. Es handelt sich dabei um die Reste eines großen Hügelgräberfeldes aus der Römischen Kaiserzeit, das heute noch 51 Grabhügel umfasst. Hier wurden in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten die verbrannten Überreste der Verstobenen in Urnen und teilweise mit Steinsetzungen unter massiven Erdaufschüttungen beigesetzt. Da ein Großteil der Grabhügel bereits von Raubgräbern geplündert wurde, sind viele Informationen zum genauen Aufbau der Gräber und den damit verbundenen Bestattungsritualen verloren gegangen. Bei den archäologischen Grabungen konnten nur noch wenige Beigaben wie Keramikgefäße und einige wenige Münzen gefunden werden.

Vom Mittelalter zur Neuzeit

Die Steiermark wurde im Jahr 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa zum Herzogtum erhoben. 1192 kam die Steiermark nach dem Aussterben der Traungauer (ihre Burg in Steyr gab die Steiermark den Namen) laut Erbvertrag an die Babenberger, die Herzöge von Österreich waren. Tieschen scheint urkundlich erstmals im Jahre 1406 im Zehentbuch des Bistums Seckau auf. Damals zählte es 17 Huben. 1445 existieren nur 10 Feuerstätten (= Häuser). Seit Ende des 15. Jhdts. bis zur Bauernbefreiung 1848 war das Pfarrgült Fehring Grundherr in „Türschen“. Nur einige Weingärten unterstanden der Herrschaft Halbenrain. Hinsichtlich der Gerichtsbarkeit gehörte der Ort bis 1461 zum Landgericht Straden, von da an zum Gericht in Klöch.

Das Hochmittelalter und die Neuzeit bis ins 18. Jhdt. waren von Kriegen geprägt: 1254/59 und 1418 Ungarneinfälle; 1441 wurde den Raubrittern Wolfsauer auf Klöch und Kapfenstein das Handwerk gelegt; 1479/90 wiederum Ungarneinfälle; 1515 und 1573 Bauernkriege; 1529/84 Türkenbelagerungen.

Dem Grenzschutz dienten neben Burgen und Städten auch die Schützenhöfe. die Hausnamen „Gschütz“ in Größing erinnern an die Grenzwächter. Als im Zuge der Gegenreformation die Habsburger auch die Ungarn zum katholischen Glauben bekehren wollten, erhoben sich diese und riefen die Türken zu Hilfe.

1605 überschritten die Hajduken (ungarische Aufständische) die Grenze.
1655 standen die Türken erneut vor Radkersburg. Von 1704/11 bedrohten die Kuruzzen das Land. Der Name stammt von krux, kruz = Kreuz und bedeutet Kreuzträger. Das Steintal wurde am 31.3. und 10.8.1706 Großteils ausgeplündert und niedergebrannt. In Tieschen blieb ein einziges Haus, ein im Jahre 1564 erbautes Weingartenstöckl am Westhang des Königsberges, verschont. Vielleicht wurde es wegen er hohen Edelkastanien unter denen es stand, nicht bemerkt. Der Sage nach sollen hier 12 Familien in dieser schrecklichen Zeit Unterschlupf gefunden haben. Heute steht das Haus im Freilichtmuseum Stübing. Der Bau ist aus mächtigen Eichenblochen gezimmert, mit einem Rafendach (Rafen = Holzstangen), Scherendachstuhl und gekreuzten Holzbalken, auf denen der Firstsparren liegt, ausgestattet. Das Stöckl besteht aus einer Stube mit offenem Herd, Weinpresse und zwei ebenerdigen Kellerräumen. Es wurde im Rahmen des Forschungsprojekts mittels 3D-Laserscanner digitalisiert.

Das Gemeindewappen von Tieschen

Im Jahre 1962 verlieh die Steiermärkische Landesregierung der Gemeinde Tieschen ein Wappen. Es zeigt im oberen Feld ein Mondidol, im unteren eine Weintraube. Damit sind Vergangenheit und Gegenwart verbunden. Der Weinbau spielt in Tieschen eine bedeutende Rolle, auf den vulkanischen Böden des Königsberges gedeiht ein edler Tropfen. Beim Mondidol handelt es sich um einen Kultgegenstand aus der Späten Bronzezeit, dessen Funktion bis heute Fragen aufwirft.

Geologie